Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war eine Zeit des wirtschaftlichen Wachstums und der ökonomischen Prosperität. Diese wiederum sorgte dafür, dass sich vor allem in der Kunst und in der Technik neue Formen, Mittel und Medien wie beispielsweise in der Kunst die Opulenz der Art déco, das Bannen der flüchtigen Musik auf Schallplatte und die über jedes bisherige Maß hinaus weite Verbreitung von Nachrichten über den Rundfunk entwickeln und durchsetzen konnten.

Der Erste Weltkrieg selbst hatte jedoch eine erhebliche Belastung für die Wirtschaft mit sich gebracht, und besonders der Bereich der Luxusgüter – zu denen Kaffee, Kakao und Schokolade fraglos zählten – war auf das Schwerste betroffen. Zum einen gab es ab 1916 einen fast absoluten Mangel an Rohkakao, da die Alliierten Mächte versuchten, Deutschland mit einem Handelsembargo zusätzlich zu schwächen. Zum Zweiten waren die Bedürfnisse innerhalb Deutschlands naheliegenderweise gänzlich anders gelagert, sodass es zu „Empfehlungen“ der Kommunalbehörden und Reichsstellen kam, in welchen die Lebensmittelindustrie aufgefordert wurde, vermehrt Haferflocken und Hafermehl zu produzieren.

Auch die Firma Felsche musste sich diesen Veränderungen anpassen, wollte sie nicht sang- und klanglos vom Markt verschwinden. Ab Ende 1917 konnte mit der Herstellung von Haferflocken begonnen werden, nachdem man die Genehmigung für die Aufstellung einer entsprechenden Maschine erhalten hatte. Allein der Ablauf der Fabrikation krankte am Mangel in den verschiedensten Bereichen, so dass ein regelmäßiger, ungestörter Betriebsgang nicht erzielt werden konnte. Auf Anregung der Kriegsnährmittel GmbH in Berlin kam in den Jahren 1917 und 1918 auch die Anfertigung von „Morgentrank“ und „Nährsuppe“, die aus Getreidekeimlingen hergestellt wurden, um die ständig wachsende Nahrungsmittelnot zu mindern. Es ist leicht zu schlussfolgern, dass diese „neuen Erwerbszweige“ dem Unternehmen nicht gerade zu einem blühenden Wachstum und respektablen Gewinnen verhalfen.

Umso erstaunlicher ist, dass im Unternehmen Schütte-Felsche nach dem Eintreffen der ersten Partie Rohkakao am 12. August 1919 und der Klärung einiger formal-juristischer wie technischer Fragen – wenn auch „… nur ganz allmählich und in bescheidenem Maße …“ – die Fabrikation wieder dem Vorkriegsniveau angepasst werden konnte. Dies war nicht zuletzt darum möglich, weil man den verschiedensten Schwierigkeiten der Nachkriegszeit offen und vor allem flexibel entgegen trat und sie so meistern konnte. Und so konnte tatsächlich bereits 1921 der Hauptteil der Projektierung des Architektenduos Händel & Franke von 1911 vervollständigend umgesetzt werden.

Das Unternehmen Schütte-Felsche hatte allerdings auch unter den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise 1929 zu leiden, denn noch immer war die Luxuswarenindustrie von derlei Flauten und konjunkturellen Talfahrten mit am ehesten betroffen.