Als die Herstellung des Kakaos und der Schokolade an Umfang gewann und dementsprechend immer mehr Platz beanspruchte, sah sich Adolph Schütte-Felsche genötigt, einen Teil der Produktion an einen neuen Standort zu verlagern. Hierfür erwarb er 1872 das Grundstück des „WaIdschlößchens“ – der früheren „Wasserschenke“ – in der damaligen Haupt- beziehungsweise heutigen Menckestraße 35. Ein Jahr später erhielt er die Genehmigung zum Bau eines zweistöckigen Fabrikgebäudes zur Schokoladenherstellung nebst Kesselhaus und Schornstein, der allem Anschein nach durch einen Baumeister Pauling ausgeführt wurde. Im Jahr 1885 erwarb man das Nachbargrundstück der Nummer hinzu, um darauf durch den Gohliser Maurermeister Robert Schlieder ein dreigeschossiges Wohnhaus als Fabrikantenvilla errichten zu lassen.
1892 wurde das ursprüngliche Fabrikgebäude entsprechend der gestiegenen Produktion durch Schlieder aufgestockt sowie mit einem Mansarddach gestalterisch überformt und erweitert, indem er über dem Kohleschuppeneinen neuen Seitenflügel einrichtete. Ab diesem Zeitpunkt übernahm der renommierte Baumeister Eduard Steyer die konzeptionelle und konstruktive Verantwortung über die Bebauung des Areals. Nach seinen Plänen und mit seiner Baufirma entstand 1897 das noch heute erhaltene, 26-achsige, dreigeschossige, repräsentative Verwaltungs- und Verkaufsgebäude entlang der Menckestraße, das dem Unternehmen endlich eine wirklich eindrucksvolle Schaufront verlieh. Dieser Bau wurde 1902 von ihm noch um einen vierachsigen Anbau mit einem dreiachsigen Erker zu seiner heutigen Form erweitert.
Im westlichen Hofbereich wurde bereits ein Jahr zuvor – 1896 – ein neues Kesselhaus mit einem entsprechend größeren Schornstein erbaut und darin eine größere Dampfkesselanlage untergebracht. Nun folgten 1903 und 1907 zwei – im Zusammenhang mit der aufgenommenen Eisproduktion und dem Bedarf an zusätzlichen Lagerkapazitäten sinnreich erscheinende – Hofunterkellerungen, die beide ebenfalls durch Eduard Steyer projektiert und ausgeführt wurden.
In den Jahren 1903/04 entstand durch den später in ganz Leipzig und darüber hinaus als Betonfachmann bekanntgewordenen Max Pommer ein viergeschossiges Lagergebäude in der damals gerade neu eingeführten Hennebique-Bauweise. 1907 konnte Steyer endlich die bereits 1905 abgeschlossene Projektierung eines erneuten Fabrikerweiterungsbaus auf dem Nachbargrundstück direkt an dem 1892 verwirklichten Gebäude umsetzen. Hierzu musste das bisher nur arg bedrängte „Waldschlößchen“ abgerissen werden.
Der entscheidende und auch heute noch den Eindruck des Schokoladenpalais bestimmende Entwurf geht jedoch auf das Jahr 1911 und das im Leipziger Industriebau berühmte Architektenduo Händel & Franke zurück. Das Büro der beiden entwarf die monumental wirkende 37-achsige viergeschossige Fassade eines Gebäudes mit Souterrain und einem hohen zweigeschossigen Mansarddach, das um zwei flachwinklige Ecken gebaut das gesamte Fabrikareal nach Südosten, Süden und Südwesten beinahe wehrhaft einfasst und mit einer der Barockarchitektur zurückhaltend entlehnten, schlossartigen Fassade einheitlich und „blickdicht“ in Richtung des Poetenweges abschließt.
Das Besondere an diesem Entwurf war die für den Leipziger Industriebau sehr ungewöhnliche Entscheidung, das Gebäude mit einer nach allen Seiten verputzten Fassade auszuführen. Vergleicht man den Bau mit anderen, etwa zeitgleich projektierten Fabriken wie etwa dem Spinnereineubau der Buntgarnwerke in der Nonnenstraße oder dem Oscar-Brandstätter-Haus an der Dresdner Straße, so stellt man fest, dass diese verputzte Gestaltung gegenüber den typischen Klinker- und Natursteinfassaden nahezu solitär im Industriebau der Stadt ist. Die Entscheidung erklärt sich aber relativ einfach aus den architektonischen und städtebaulichen Gegebenheiten des Gohliser Umfeldes. Zum einen war Gohlis auf Grund der Stadtplanung ein nahezu reines Wohngebiet und die verputzte Fassade somit eine Reminiszenz an die ebenfalls verputzten Wohnhausbauten. Zum anderen befindet sich in nächster Nähe der Barockbau des Gohliser Schlösschens, auf den auch in der übrigen Fassadengestaltung und -farbgebung mehr als deutlich angespielt wird. Die Fabrik als Schloss der neuen Herren war ein beliebtes Motiv – wenn auch in anderen Ausformungen – in der Leipziger Industriearchitektur.
Diese gigantische Projektierung ließ sich jedoch nicht ad hoc umsetzen. Und so vergingen drei Jahre, bis 1914 der erste Teil dieser Planung in leicht reduzierten Abmessungen umgesetzt werden konnte. Statt der geplanten 15 Fensterachsen des rechten Seitenstückes wurden lediglich zwölf ausgeführt. Durch die wirtschaftliche und finanzielle Misere, die der Erste Weltkrieg auch für die Firma Felsche mit sich brachte, dauerte es dann noch einmal ganze sieben Jahre, bis 1921 der mittlere sowie der linke Teil des Entwurfs umgesetzt werden konnten.
Nachdem diese wuchtige Bebauung umgesetzt worden war, veränderte sich auf dem Gelände der Schokoladenfabrik nicht mehr viel. Das lag zum einen daran, dass die Fläche des Terrains optimal ausgeschöpft worden war, obwohl es sicher noch die Möglichkeit für den einen oder anderen Um- und Anbau gegeben hätte. Ein weiterer Grund für das Bebauungsende ist wirtschaftlicher Natur: Der Betrieb hatte im Laufe der Jahre durch verschiedene Höhen und Tiefen der Konjunktur und die Restriktionen während des Ersten Weltkrieges eine Optimierung der Räumlichkeiten im Verhältnis zur Produktion erfahren. Außerdem waren die „Goldenen Zwanziger“ in wirtschaftlicher Hinsicht nicht nur golden, und auch die darauf folgenden Jahre von 1930 bis 1940 brachten vornehmlich andere Herausforderungen als die Schokoladenherstellung mit sich.
So wurden in der Zeit bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lediglich 1924 ein Kraftwagenhaus zur Unterbringung der Kraftfahrzeuge der Firma am Poetenweg durch Händel & Franke sowie 1938 eine weitere Villa für die Familie ebenfalls am Poetenweg, diesmal durch den Architekten Max Steinmüller, gebaut.
Die Bombenangriffe 1943 und 1945 hinterließen erhebliche Schäden im Dachbereich verschiedener Betriebsgebäude. Teilweise wurden auch die Obergeschosse in Mitleidenschaft gezogen. Bereits 1944 und direkt nach Kriegsende 1945 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Dächer wurden dabei jedoch in ihrer Struktur völlig verändert, indem man sie – anstatt sie als ausgebaute Mansarddächer wiederherzustellen – gerade als zweigeschossige Vollgeschosse aufmauerte und mit Flachdächern abschloss. Ohne Rücksicht auf den äußeren Eindruck konnte so noch mehr Platz für die Süßwarenherstellung des VEB Goldeck gewonnen werden. Das Verwaltungsgebäude an der Menckestraße wurde Ende der 1950er Jahre zum „Sozialgebäude“ umfunktioniert und Mitte der 1970er Jahre erhielten auch die Produktionsgebäude auf dem Gelände durch den neuen „Eigentümer“ – den VEB OSTRA Hydraulik und die damit einhergehenden neuen Anforderungen an die Räumlichkeiten – ein neues Innenleben mit kleinen Büro- und Laboreinheiten.