Doch zurück zum „Café Français“ oder, wie es ab 1914 hieß, zum „Café Felsche“. Schon der Firmengründer Wilhelm Felsche war ganz besonders engagiert, und das nicht nur innerhalb seines Unternehmens und zu seinem eigenen wirtschaftlichen Vorteil. Er war darüber hinaus unermüdlich in seinem sozialen Einsatz. So verdankt ihm Leipzig die Gründung der „städtischen Speiseanstalt“ für die Ärmsten der Armen und auch in anderen Orten machte er sich für ähnliche Gründungen stark.
Es war weder für Wilhelm Felsche noch für seine Nachfolger ein Widerspruch, sich auf der beruflichen Seite ganz der Befriedigung luxuriöser Genusslust zu verschreiben. Man produzierte für eine Klientel – feinste „Desserts, Bonbonnieren und Atrapes“ oder dekorierte „geschmackvolle Weihnachtsausstellungen“, die gegen ein Entgelt von 4 Groschen besichtigt werden konnten – die, wenn nicht der Oberschicht zugehörig, so doch in jedem Falle den gesellschaftlich und sozial besser gestellten Schichten zuzurechnen war. Auf der anderen Seite wurde ein Teil des mit diesem Geschäft erwirtschafteten Gewinns freiwillig und ganz selbstverständlich im Bewusstsein einer gleichermaßen menschlich-moralischen wie staatsbürgerlich-sozialen Pflicht in Pensionskassen für die eigenen Arbeiter und Angestellten, die Gründung karitativer und anderer, dem Gemeinwohl dienlichen Einrichtungen „investiert“. Das waren die Felsches ihrer „… höchst patriotischen und gemeinnützigen …“ Einstellung schuldig.
Andererseits machte das Unternehmen lange mit dem Slogan: „Felsche, Schokoladendüfte bis auf die Straße, daher keine Reklame“ für sich Werbung. Vielleicht waren es ja eben diese süßen Düfte, die eine Schar arbeitsloser Männer und Frauen veranlassten, das Etablissement am 4. Juli 1923 zu stürmen und teilweise schwer zu verwüsten.
Am 18. Oktober 1925 ging gar ein Teil der Dekoration durch Brandstiftung in Flammen auf. Dabei hatte die Polizeibehörde den Pächter bereits einige Jahre zuvor mit einem Schreiben ein dringlich gewarnt und empfohlen, „Scheibengardinen zur Verhinderung des Anblickes der Leckerei verzehren den Personen im Erdgeschossraum anzubringen“. Ein Rat, der tatsächlich beherzigt wurde – wie die Ereignisse jedoch zeigten, ohne wirklichen Erfolg.
Wenig helfen konnten dem Gebäude die angebrachten „Scheibengardinen“ auch gegenüber dem schlimmsten und „endgültigen Angriff“, den das „Café Felsche“ im Dezember 1943 erleben musste. Zusammen mit einem Großteil der repräsentativen Bebauung des Augustusplatzes wurde neben Oper, Bildermuseum und Hauptpostamt auch das Kaffeehaus der Familie Felsche durch das Bombardement der Alliierten im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört.