Nach der Rückkehr von seiner Gesellenreise nach Leipzig pachtete Wilhelm Felsche im Jahr 1821 einige Gewölbe in den Arkaden des Königshauses am Augustusplatz und betrieb hier die „Conditorey=Waaren=Handlung ‚Au bon goût‘“. Der solide Erfolg dieses Unternehmens veranlasste den „Zuckerbäcker“ einige Jahre später, das Gelände des 1577 errichteten ehemaligen Schuldturms neben dem bereits 1831 abgerissenen Grimmaischen Tor am Augustusplatz zu kaufen und hier auf diesem Grundstück „am Ende der Stadt“ ein großes öffentliches Kaffeehaus nach französischem Vorbild errichten zu lassen, wie es in Deutschland bisher keines gegeben hatte. Von seiner Eröffnung 1835 bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1943 zählte das Café in Leipzig durchgängig zu den besten und vornehmsten Adressen der Stadt.
In dem – nach Abriss des Schuldturms – errichteten neuen Gebäude war wesentlich mehr Platz für den Verkauf, den Verzehr und die Herstellung der Naschereien vorhanden, die Felsche fabrizierte und feilbot. Bereits zwei Monate später – im Dezember des Jahres 1835 – verlegte er sein Geschäft aus den Kolonnaden des Königshauses endgültig in die beiden unteren Etagen seines eigenen Kaffeehauses, das er nach dem Pariser Vorbild „Café Français“ genannt hatte. Hierbei handelte es sich um den ersten Kaffeehaus–Gesamtbau Deutschlands. Wilhelm Felsche erwarb von der Stadt das Recht, im Sommer einen überdachten „Freisitz“ anzubauen, und so konnten seine Gäste in der schönen Jahreszeit das Flair eines Straßencafés am Augustusplatz genießen, der seinerzeit nicht nur als der größte, sondern auch schönste Platz Europas galt.
Anfang der 1840er Jahre kaufte Wilhelm Felsche ein Grundstück in Reudnitz, das er nach seiner Gemahlin Johanna „Johanneum“ nannte, und ließ hier eine Schokoladenmaschine – die so genannte Kakaomühle – aufstellen. So waren Herstellung und Verkauf der Schokolade weitestgehend getrennt, bis Mitte der 1840er Jahre in den Kellerräumen des Kaffeehauses am Augustusplatz zusätzliche Produktionsräume eingerichtet wurden. 1853 erbaute Wilhelm Felsche auf dem Grundstück des Johanneums eine Eisgrube und belieferte Geschäfte und Private mit Roheis. Da die Nachfrage in diesem Bereich stetig stieg, pachtete er in Reudnitz weiteres Gelände hinzu, das er für die Eislagerung nutzte.
Den nächsten bedeutsamen Schritt tat Wilhelm Felsche 1845. Er kaufte das unmittelbar in der Grimmaischen Straße unter der damaligen Nummer 17 anschließende Nachbargrundstück, das Lähnesche Haus, und führte auf diesem Grund in direktem Anschluss zu seinem Kaffeehaus einen Anbau aus, dem er – in Erinnerung an seine ersten Geschäftsräume – den Namen „Au bon goût“ gab. Dieser durch Albert Geutebrück (1801–1868) ausgeführte Neubau fügte sich dem Stammhaus ebenbürtig an. In der damaligen Presse wurde er als „wahres Putzkästchen“ bezeichnet, das der Stadt Leipzig „… ein bis jetzt hier nicht vorhandenes Beispiel von wahrem Prachtbau …“ gebe.
Zwei Jahre darauf datiert dann das erste Revers für das Recht, „… ein auf eisernen Säulen ruhendes, lediglich im Sommer an beiden Giebeln mit Glaswänden auszusetzendes Zeltdach für seine Gäste aufzustellen“. Die solcherart geschützte erweiterte Caféfläche im Freien wurde gegen den Augustusplatz mit Oleander, Orangenbäumchen und Blumenkübeln geschmückt, die den Gästen angenehmen Schatten spendeten. 1877–79 wurde dann das Kaffeehaus von den Erben Johanna und ihrem Gemahl Adolph Schütte-Felsche sen. umgebaut, wobei vor allem die Inneneinrichtung dem Zeitgeschmack angepasst und das Zeltdach des „Freisitzes“ durch Anbau eines Altanes in eine Veranda im Erdgeschoss und eine Terrasse im ersten Obergeschoss verwandelt wurde.
Im Jahr 1873 wurde die Schokoladenproduktion vollständig in die neu errichtete Fabrik in Gohlis verlegt. Etwa zwanzig Jahre später, ab 1890, wurde das gut gehende Café Français am Augustusplatz durch Adolph Schütte-Felsche senior – der sich mehr und mehr aus dem Unternehmen zurückzog – fremd verpachtet, was es von da an auch bis zu seiner Zerstörung 1943 blieb.