Im Jahr 1317 wird der Name „Goluz“ erstmals in einer Erbangelegenheit des Hoyer von Friedeburg urkundlich erwähnt. Die Besiedlung des Gebietes reicht jedoch bis in die Zeit der altsorbischen Landnahme im 8. Jahrhundert zurück. Der Name des Ortes ist wahrscheinlich eine Ableitung des altsorbischen „gol“, was so viel bedeutet wie „kahl, nackt, bloß“. Damit sollte ein „Ort in der Heidegegend“ bezeichnet werden.
Tatsächlich war die Ansiedlung am Ufer der nördlichen Rietzschke ein kleines Gassendorf auf etwas erhöhtem – und dadurch trockenerem – Gelände. Im 10. Jahrhundert kam sie unter germanischen Einfluss und war dem Leipziger Thomaskloster unterstellt. Bereits im 14. Jahrhundert wurde die Mühle mehrmals als Bannmühle erwähnt, das bedeutet, dass alle Bauern der Gegend hier ihr Getreide mahlen lassen mussten. Dadurch wurde die Mühle rasch zur stärksten Wirtschaftskraft des Dorfes.
Bereits im 16. Jahrhundert entwickelte sich Gohlis wegen des nahen Rosentals zu einem beliebten Ausflugsziel für die Leipziger. Im Schmalkaldischen Krieg wurde das Dorf 1547 niedergebrannt, um den Feinden keine Unterkunft zu bieten. Im so genannten Dreißigjährigen Krieg erlitt Gohlis dieses Schicksal dann gleich dreimal. Aber nicht nur zu Kriegszeiten hat es Brände in Gohlis gegeben, auch im Frieden waren die Zerstörungen durch Feuer häufig und teilweise gravierend.
Ab Ende des 17. Jahrhunderts war der Aufstieg von Gohlis als beliebtes Ausflugsziel und Sommersitz der Leipziger Bürger auf Grund seiner günstigen Lage, der ländlichen Idylle und der gebotenen Gastlichkeit stetig und unaufhaltsam. Viele mieteten sich nicht nur über die Sommermonate ein, sondern bauten sich selbst kleine Landsitze im Ort, was das Erscheinungsbild des Dorfes grundlegend veränderte.
Diese Verwandlung gipfelte im Bau des bereits erwähnten Gohliser Schlösschens in den Jahren 1755/56 durch den Leipziger Kaufmann Johann Caspar Richter, der dem Ort ein völlig neues Gepräge gab.
Etwa einhundert Jahre später setzten auch in Gohlis die tief greifenden Veränderungen ein, die durch die Industrialisierung herbeigeführt wurden. Das sich rasch entwickelnde Leipzig bot innerhalb der Stadtgrenzen nicht genügend Raum, um den Zustrom von Gewerbetreibenden, Arbeitern und Beamten unterzubringen. Dadurch bevölkerten sich vorgelagerte Dörfer und Weiler immer mehr, und auch Gohlis wuchs in jenen Jahren enorm.
Allerdings war Gohlis, im Gegensatz zu anderen Vororten wie beispielsweise Reudnitz oder Plagwitz, durch den Erlass „ortsstatuarischer Bestimmungen“ – was einen restriktiven Bebauungsplan meint –zumindest in bestimmten Bereichen vor exzessivem Wildwuchs in diesem Gebiet gefeit. Diese Verordnung schrieb eine offene respektive halboffene Bauweise vor und verbot die Ansiedlung von Gewerbebetrieben südlich der Cöthner Straße, weshalb in diesem Teil von Gohlis nach 1890 keine Bebauung durch mittelständische und große Unternehmen mehr erfolgen konnte. Lediglich die bereits zuvor angesiedelten Unternehmen – etwa die 1871 gegründete Aktienbrauerei an der Hallischen Straße (heutige Georg-Schumann-Straße) sowie die ein Jahr später durch Adolph Schütte-Felsche in der hinteren Menckestraße errichtete „Fabrik für Kakao- und Schokoladenherstellung“ – bildeten hiervon Ausnahmen. Ansonsten war und blieb Gohlis ein reines Wohnquartier.
Nördlich der Demarkationslinie der Cöthner Straße entstanden allerdings auch in Gohlis einige wenige Großbetriebe, die teilweise sogar enormen Weltruhm errangen. Hierfür ist die bereits 1874 in Schkeuditz gegründete und seit 1881 in Gohlis ansässige Firma Bleichert & Co. ein Paradebeispiel. Der Firmengründer Hermann Adolf Bleichert (1845–1901) gilt als Erfinder der modernen Drahtseilbahn. Sein Unternehmen war eines der erfolgreichsten sächsischen Maschinenbauunternehmen überhaupt und langjähriger deutscher Marktführer im Drahtseilbahnbau. Als er 1881 – nur sieben Jahre nach Gründung des Unternehmens – mit seiner Firma für Transportanlagen auf das größere Gelände nach Gohlis zog, beschäftigte Alfred Bleichert bereits 20 technische und kaufmännische Beamte sowie 70 Arbeiter und die einhundertste Drahtseilbahn wurde gerade ausgeliefert.
Zusätzlich zum Firmenareal erwarb Adolf Bleichert auch die gegenüber dem Betrieb ebenfalls an der Lützowstraße gelegene, 1872 durch den Gasingenieur Albert Gruner errichtete „Grunersche Villa“ als Familienwohnsitz. Am 19. Dezember 1889 stellt er den Antrag, dieses Gebäude abreißen zu dürfen, um auf dem Grundstück eine neue Villa für sich und seine Familie errichten zu können. Diesem Antrag wurde stattgegeben, und Ende 1891 konnte die Familie die – nach Bleicherts Frau Gemahlin benannte – imposante „Villa Hilda“ beziehen.
Das Unternehmen profitierte vor allem vom damals enormen Wachstum der Montanindustrie, welche aus dem In- und Ausland fleißig bei Bleichert in Gohlis Drahtseilbahnen als Transportmittel bestellte. Durch Patente geschützt, konnte sich der Familienbetrieb entgegen der allgemeinen Tendenz in der Maschinenbauindustrie auch nach den Gründerjahren bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts stetig positiv entwickeln, auch wenn das hier praktizierte Prinzip eines Ingenieurbetriebes mit angeschlossener Maschinenbaufabrik eher ungewöhnlich war. Exporte in die argentinischen Kordilleren und nach Afrika geben der bis Anfang der 1920er Jahre außerordentlich erfolgreichen Firmengeschichte des Familienunternehmens zudem ein exotisches Flair.
Sieht man einmal von der benachbarten Aromafabrik „Oehme & Baier“ sowie der Spinnerei in der Pfaffendorfer Straße und den hier bereits genannten Unternehmen ab, muss nochmals betont werden, dass Gohlis – trotz seiner inzwischen enormen Größe – überwiegend ein reines Wohnquartier blieb. Als es am 1. Januar 1890 nach Leipzig eingemeindet wurde, zählte es 19.312 Einwohner und umfasste eine Fläche von circa 540 Hektar. Diese Struktur eines locker bebauten Wohngebietes konnte sich Gohlis über die Zeit der beiden Weltkriege und des Sozialismus hinweg erhalten, so dass dieses Quartier auch heute noch zu einem der schönsten und beliebtesten Viertel der Stadt zählt. Da der Krieg relativ wenig Schäden hinterlassen hat, blieb Gohlis eine Neugestaltung mit Platten bauten während der DDR-Zeit weitgehend erspart. Es präsentiert sich heute als denkmalpflegerisch wertvolles Kleinod der Stadt.