Das ländliche Idyll des kleinen Vororts ist zwar inzwischen längst Geschichte, die natürliche Umgebung hat sich jedoch in einigen Bereichen sehr zum Vorteil von Gohlis bis heute erhalten. Das ist vor allem ihrer außergewöhnlichen geografischen und geologischen Beschaffenheit zu danken.

Leipzig liegt in einer Tieflandsbucht, etwa 110 m über dem Meeresspiegel, an den Ufern zahlreicher Flussläufe. Das gemeinsame Flussbett von Pleiße, Weißer Elster, Luppe mit den zahlreichen Nebenarmen, Bächen und Totarmen liegt im Schnitt ungefähr 10 m unter dem Normalniveau des Umlandes.

Die Landschaft, Flora und Fauna der Region waren schon von alters her geprägt durch die saisonal bedingten Überschwemmungen dieser oben – auf vorwiegend mit Lehmböden ausgestatteten Senke. Über die Jahrhunderte hinweg konnte sich auf diese Art und Weise die beeindruckende Leipziger Auenlandschaft auf einer Fläche von circa 5.000 Hektar herausbilden.

Über eine Gesamtlänge von knapp 40 Kilometern durchzieht der Auwald die Stadt wie ein grünes Band in nordsüdlicher Ausrichtung. An manchen Stellen ist dieses Band – das Leipzig früher saisonal völlig von den westlich gelegenen Vororten trennte – heute nur noch wenige hundert Meter breit, an anderen Stellen jedoch erstreckt sich der Wald dafür über mehrere Kilometer.

Auf jeden Fall handelt es sich um eines der größten innerstädtischen Auenwaldgebiete und fungiert als Löwenanteil der grünen Lunge Leipzigs. Der Auwald ist zugleich auch das Naherholungsgebiet der Leipziger und ein Refugium für jede Menge seltener Tier und Pflanzenarten.

Via Auwald kann man von Leipzig aus das südlich gelegene Gebiet der bis 2016 entstehenden Seenplatte im Gebiet der vormaligen Braunkohletagebaulandschaft – so zum Beispiel auch den Cospudener See – zu Fuß oder mit dem Fahrrad angenehm im Grünen erreichen. Auch der Pferdesport ist hier sehr beliebt.

In vielen Bereichen der Stadt wird das Gebiet des Auwaldes durch kultivierte Anlagen verbreitert. Viele dieser Anlagen wurden in der Vergangenheit dem Auwald abgetrotzt und auf das Vielfältigste gestaltet. Am nordwestlichen Rand der Innenstadt und in Gohlis verbindet sich der Auwald mit dem Gebiet des Rosentals, welches im Grunde ebenfalls einen Ausläufer des Waldes in Parkform darstellt.

Die Bezeichnung Rosental leitet sich von einem slawischen Ursprung – nämlich dem Wort „rescha“, was so viel wie überflutetes Terrain bedeutet – ab. Es handelt sich hier dem Namen entsprechend weniger um die überkultivierte Parkgestaltung inForm eines Rosengartens, sondern um einen relativ natürlich belassenen Stadtgarten, der tatsächlich bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zusammen mit dem Auwald mehrmals im Jahr von den periodischen Hochwässern der Flussläufe überschwemmt wurde.

Im Jahr 1318 wurde das Rosental zum ersten Mal erwähnt und blieb bis 1663 im Besitz des Dresdner Landesvaters. Dann kaufte die Stadt Leipzig das Terrain auf, vor allem um endlich den bereits ewig schwelenden Streit mit dem Rosenthäler (Förster) um dessen Ausschankrechte für „Fremdbier“ beizulegen.

Der Rosenthal – wie man bis Ende des 17. Jahrhunderts noch sagte – ist wohl maßgeblich am Aufschwung von Gohlis als beliebtes Ausflugsziel der Leipziger im 18. Jahrhundert beteiligt gewesen. Damals war das Rosental noch ein Nutz- und Wirtschaftswald. Allerdings gingen die Leipziger auch ohne planvoll angelegten Weg gern dort spazieren. Einer der Gründe mag gewesen sein, dass es – beim Rosenthäler – immer einen guten Tropfen zu trinken gab. Er besaß das kurfürstliche Privileg, hier jährlich 40 Fass fremdes Bier an die Spaziergänger auszuschenken. Ob dieses Privilegs kam es zu häufigen Auseinandersetzungen, denn der Förster schenkte – sehr zum Ärger des Rates der Stadt, der sonst allein dieses Recht innehatte – wesentlich mehr und „an jedermann“ sein gutes Eilenburger Bier aus.

Erst mit dem Kauf des Rosentals und dem Totalverbot für die Schenkförsterei durch den Rat konnte dieser jahrzehntelange Streit beigelegt werden.

Aber schon bald gab es weiteren Schriftverkehr zwischen dem kursächsischen Hof und dem Leipziger Rat. August der Starke trug sich mit dem Wunsch, das Rosental wieder an sich zu bringen und dort ein kleines Lustschlösschen zu bauen. Dreizehn schnurgerade angelegte Alleen und Schneisen, die von einem Punkt auf der großen Rosentalwiese aus nach allen Seiten strahlenförmig ausliefen, sollten ihm eine schöne Sicht in alle Richtungen gewähren. Der Rat ließ ein Gutachten anfertigen, das dem Landesvater auf das Heftigste davon abriet, hier zu bauen: Der Grund sei sumpfig, die Wiesen häufig überschwemmt, sodass bisweilen das Gebäude wohl nur mit Kähnen zu erreichen wäre. Die zwielichtigen Besucher des Rosentals könnten gar den Kurfürste und seine Gäste belästigen und vor allem halte sich „ein häufiges Fliegen- und Mückengeschmeiß dort auf“. Außerdem würde die Jagd im Walde total eingehen, wenn sich dort ständig Leute aufhielten. Der Kurfürst verzichtete widerstrebend auf sein Schloss, nicht ohne jedoch ein paar Jahre später noch einmal seinen Wunsch in reduziertem Umfang zu erneuern. Der Rat verstand es jedoch geschickt, auch dieser Bitte nicht zu entsprechen, lediglich die dreizehn Achsen wurden angelegt. Einige davon sind heute unter Denkmalschutz gestellt und werden regelmäßig gepflegt.

Neben dem gemeinen Volk und seiner königlichen Majestät dem Kurfürsten von Sachsen und König von Polen August dem Starken hat es hier im Laufe der Zeiten viele berühmte Spaziergänger gegeben. Einer von ihnen, nämlich der bedeutende deutsche Poet Friedrich Schiller (1759–1805), und seine Beziehung zum Rosental wird im folgenden Abschnitt noch etwas genauer beleuchtet. Darüber hinaus waren aber auch andere Dichter und Denker wie beispielsweise Johann Gottfried Seume (1763–1810), der durch seinen „Spaziergang nach Syracus“ bekannt wurde, häufig gesehene Spazier- und Wandergäste im Rosental. Auch der in Leipzig geborene und aufgewachsene Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) – indem einige das letzte große Universalgenie Europas sehen – hat hier ganze Tage zugebracht, um über die „Versöhnung des Plato mit dem Aristoteles“ nachzugrübeln. Ebenso ist Johann Wolfgang Goethe (1749–1832) während seines Studienaufenthalts in Leipzig hier „auf poetisches Wildpret“ ausgegangen, wobei jedoch „zur besten Jahreszeit die Mücken keinen zarten Gedanken aufkommen ließen“.

Direkt an das Rosental grenzt das Areal des Leipziger Zoos. Im Jahr 1873 übernahm der aus der Oberlausitz stammende Ernst Pinkert (1844–1909) den Pfaffendorfer Hof am Rande des Rosentals, um hier eine „Restauration“ der besonderen Art zu etablieren. Hinter dem Wirtshaus lagen verschiedene Stallungen und davor eine große Wiese, die sich für diverse Veranstaltungen eignete, mit denen Pinkert die Gäste zur Einkehr in sein Haus locken wollte. Ballonfahrten waren eine der Attraktionen, die beim Publikum besonders gut ankamen, und tatsächlich strömten tausende Leipziger hinaus zum Pfaffendorfer Hof, um dieses Spektakel mitzuerleben oder aber um selbst mit in die Luft zu gehen. Im Jahr darauf eröffnete Pinkert hinter dem Gebäude einen phänomenal gestalteten Garten, der auch eine Ausstellungshalle mit einem „Wald von Palmen“ beherbergte – eine Art Erlebniswelt im Kleinen. Bereits im Juli 1876 stellte er die ersten exotischen Tiere aus, die er über seinen Hamburger Geschäftsfreund und Partner Carl Hagenbeck (1844–1913) bezog.

Aber erst am 9. Juni des Jahres 1878 waren die Idee und die Vorbereitungen so weit gediehen, dass Ernst Pinkert den Leipziger Zoo eröffnen konnte.

Als der Pinkert‘sche Zoo 1899 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, kam es zu beträchtlichen Erweiterungen sowohl des Geländes als auch der Gebäude des Zoologischen Gartens. Es entstanden Bauten, die noch heute die Zooarchitektur prägen, wie zum Beispiel das zweite Raubtierhaus oder das am Eingang befindliche frühere „Gesellschaftshaus Zoo“, die spätere Kongreßhalle der Stadt.

Nachdem der Zoo 1920 in städtischen Besitz übergegangen war, kam es zu einer explosionsartigen Erweiterung und Erneuerung des gesamten Zoologischen Gartens.

Man versuchte, das Konzept grundlegend neu zu gewichten. In diesen Jahren entstanden durch den damaligen Stadtbaudirektor Carl James Bühring (1871–1936) das Dickhäuterhaus mit Freigehege für den Auslauf der Tiere (1926) und die Bärenburg mit Bade- und Klettermöglichkeiten für deren Bewohner (1929). Beides wurde in auffälliger Backsteinarchitektur ausgeführt und auch erstmalig ohne die seinerzeit üblichen Gitter. Die Tiere waren hier zum ersten Mal nur durch Wasser- oder Trockengräben von den Besuchern getrennt.

Man kann diese Entwicklung als einen ersten Schritt auf dem Weg zu einer artgerechten Tierhaltung in Zoologischen Gärten allgemein ansehen. Auf jene Zeit gehen auch die Ursprünge des Leipziger Engagements in der Löwenzucht zurück.

In den 1970er Jahren entstand auf einer neuen Fläche zum Rosental hin das sehr beliebte Zooschaufenster, das 2003 zur „Afrikasavanne“ umgebaut wurde und die große Rosentalwiese durch einen Blick auf Giraffen, Antilopen und Nashörner exotisch bereichert.

Überhaupt befindet sich der Leipziger Zoo momentan in einer intensiven Umgestaltungssituation. Bis zum Jahr 2014 soll hier der „Zoo der Zukunft“ entstanden sein, der sich nicht nur artgerechter Tierhaltung und -präsentation, sondern auch dem Tier- und Artenschutz verpflichtet zeigt.

Einige Bausteine dieses Projektes sind mit der Eröffnung des Informationszentrums und Entdeckerhauses „Arche“ für den Artenschutz im alten Raubtierhaus, mit der neuen Elefantenanlage und vor allem auch mit der Einweihung der größten Menschenaffenanlage „Pongoland“ – die in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie entstanden ist – umgesetzt worden.

Am Ende soll der Zoo dem Besucher – in insgesamt sechs Themenbereiche gegliedert – ein Naturerlebnis der besonderen Art bieten. Neben den Kontinente-Schwerpunkten Afrika, Asien und Südamerika, mit den dafür typischen Tierbeständen, sollen das Pongoland der Primaten, der Gründergarten mit Arche, Aquarium und Zooschule im historischen Teil des Parks und Gondwanaland als Riesentropenhalle im Zentrum der Gesamtanlage den Leipziger Zoo zu einem „Lieblingskind“ seiner Gäste machen.