Seit der Verleihung des Stadt- und Marktrechts im Jahre 1165 hatte sich Leipzig vor allem als Zentrum des Handels sowie des geistigen und kulturellen Austausches hervorragend entwickelt. Die Gründung der Leipziger Universität 1409, die Verleihung des Reichsmesseprivilegs durch Maximilian I. in den Jahren 1497 und 1507 sowie die durch reichhaltige Silberfunde im nahe gelegenen Erzgebirge im 17. und 18. Jahrhundert verursachte Blütezeit der Stadt hatten Leipzig zu einer der reichsten und einflussreichsten Städte Deutschlands gemacht. Im Bereich der Messe war es vor allem die Durchführung der ersten Mustermesse der Welt im Jahr 1896, die Leipzig noch einmal einen gewaltigen Innovations- und Kapitalschub brachte. Leipzig war eine der wichtigsten Drehscheiben des europäischen Handels geworden.

Aber auch in kultureller Hinsicht war Leipzig – vor allem im Bereich der Musik – im 18. und 19. Jahrhundert mit seiner bereits 1693 gegründeten Oper, dem weltberühmten Thomanerchor, dem 1743 ins Leben gerufenen „Großen Concert“ und dem 1843 von Felix Mendelssohn Bartholdy eröffneten Musikalischen Konservatorium ein viel beachtetes Zentrum.

Durch die Gründung des „Börsenvereins des Deutschen Buchhandels“ in Leipzig im Jahr 1825 konnte sich die Stadt im weiteren Verlauf des Jahrhunderts als Hauptumschlagplatz für den Handel mit Büchern in Deutschland etablieren. Beinahe alle deutschen Verlage hatten ihren Sitz in Leipzig bzw. in einem der kleinen Vororte der allernächsten Umgebung.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 und dem Wiener Kongress 1815 nahm Leipzig auch eine Schlüsselposition in den Bereichen der bürgerlich-demokratischen Bestrebungen sowie der Industrialisierung des Landes ein. 1839 dampfte die erste Ferneisenbahn Deutschlands von Leipzig nach Dresden. Aus den idyllischen Vororten und Bürgergärten wurden – vor allem in den so genannten Gründerjahren nach 1871 – rasch industrielle Ballungsräume, die sich netzartig und immer dichtmaschiger um die eigentliche Stadt legten und sie – durch die am Ende des 19. Jahrhunderts vollzogenen Eingemeindungen – enorm vergrößerten. Leipzig war eine der größten und wichtigsten Städte Deutschlands geworden.

In einigen Bereichen der Wirtschaft und der Kultur übernahm die Stadt Leipzig mühelos eine Führungsrolle.

Vielen galt sie als Mutter der Messen, mit ihren zahllosen innerstädtischen Messepalästen, -höfen und Passagen und ab 1917 einem der ersten modernen Messegelände am südöstlichen Stadtrand, dem Areal der „Technischen Messe“, wo im Jahr zuvor die Internationale Baufachausstellung stattgefunden hatte, auf der innovative Architektur präsentiert wurde.

Leipzig war die Buchstadt Deutschlands, mit der ersten Nationalbibliothek – der 1912 eingeweihten „Deutschen Bücherei“ – der Buchhändlerbörse sowie den zahllosen Verlagshäusern, Druckereien und Fabriken der „schwarzen Kunst“.

Auch im Bereich der Bildung und der Kultur konnte Leipzig sich sehen lassen: Die „Alma Mater Lipsiensis“ ist nach der Heidelberger die zweitälteste deutsche Universität, die ihren Lehrbetrieb bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung aufrechterhalten hat.

Für die bedeutende Rolle in der Musik stehen nicht nur die bereits genannten Institutionen Thomanerchor, Gewandhaus, Oper und Musikhochschule, sondern auch so klangvolle Namen wie Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert und Clara Schumann, Albert Lortzing und Richard Wagner.

Was bei alledem immer ein wesentliches Element gewesen ist und heute noch fortwirkt, ist die gegenseitige Durchdringung der mannigfaltigen Bereiche des städtischen Lebens. Keine Kultur ohne die Unterstützung des Kommerz und umgekehrt, kein Kommerz ohne die Befruchtung durch die Kultur. Nur diese offene, angstfreie Durchdringung ganz unterschiedlicher Ebenen konnte etwas Neues und zugleich Einzigartiges entstehen lassen, dessen Früchte bis in unsere Tage hinein geerntet werden.

Ein Blick auf die Fülle der architektonischen Kleinodien oder auf das reichhaltige kulturelle Angebot beantwortet alle Fragen.